Glossar

Interlacing

Interlacing (Zeilensprungverfahren) ist ein Bildaufbauverfahren, bei dem jedes Vollbild in zwei Halbbilder aufgeteilt wird – eines mit den geraden, eines mit den ungeraden Zeilen. Es wurde für analoges Fernsehen entwickelt, um Bandbreite zu sparen.

Ein Relikt aus der Analogzeit, das bis heute nachwirkt. Interlacing war eine brillante Lösung für ein Problem, das längst gelöst ist und erzeugt in modernen Workflows sichtbare Artefakte, die es zu vermeiden gilt.

Das Prinzip stammt aus den 1930er Jahren. Analoge Fernsehsignale hatten begrenzte Bandbreite. Statt jedes Vollbild komplett zu übertragen, wurde es in zwei Halbbilder zerlegt: Zuerst die ungeraden Zeilen (1, 3, 5...), dann die geraden (2, 4, 6...). Beide Halbbilder zusammen ergeben ein Vollbild. Bei 50 Halbbildern pro Sekunde (25 Vollbilder) entsteht für das Auge eine flüssige Bewegung – bei halber Bandbreite.

Das Kürzel "i" steht für interlaced: 1080i bedeutet 1920 x 1080 Pixel im Halbbildverfahren. Im Gegensatz dazu steht "p" für progressive: 1080p bedeutet, dass jedes Bild vollständig und am Stück übertragen wird. Progressive Scan ist der moderne Standard.

Das Problem mit Interlacing zeigt sich bei schnellen Bewegungen. Da die beiden Halbbilder zu leicht unterschiedlichen Zeitpunkten aufgenommen werden, entstehen bei horizontalen Bewegungen sogenannte Kammartefakte – gezackte Kanten, die wie ein Reissverschluss aussehen. Auf modernen LCD- und OLED-Displays, die progressiv arbeiten, muss interlaced Material erst deinterlaced werden, was zusätzlich Qualität kosten kann.

In der professionellen Videoproduktion hat Interlacing keine Berechtigung mehr. Moderne Kameras nehmen progressiv auf. Streaming-Plattformen, Websites und Social Media verwenden ausschließlich progressive Formate. Für Imagefilme und Werbespots wird ausnahmslos in progressivem Format produziert.

Interlacing begegnet Produzenten dennoch in zwei Situationen. Bei der Arbeit mit Archivmaterial aus der SD- und fruhen HD-Ära liegt das Ausgangsmaterial häufig in 576i (PAL) oder 1080i vor. Und einzelne Broadcast-Standards verwenden nach wie vor 1080i – einige TV-Sender strahlen ihr HD-Programm interlaced aus, obwohl die Produktion langst progressiv läuft.

Deinterlacing – die Umwandlung von interlaced in progressives Material – ist ein Standardvorgang in der Postproduktion. Moderne Schnittsoftware bietet verschiedene Algorithmen, die die Halbbilder intelligent zu Vollbildern zusammensetzen. Die Ergebnisse sind akzeptabel, erreichen aber nie die Qualität einer nativen progressiven Aufnahme.

Für FPS und Bildauflösung hat die Wahl zwischen interlaced und progressiv direkte Konsequenzen. 1080i und 1080p haben zwar dieselbe Pixelanzahl, aber 1080i liefert zu jedem Zeitpunkt nur die Hälfte der Bildinformation. In Bezug auf bewegte Schärfe ist 1080p dem 1080i-Format deutlich überlegen.

Für Full HD und 4K-UHD-Produktionen gilt: Progressive Scan ist alternativlos. Interlacing ist ein historisches Kapitel, das man kennen sollte – aber nicht mehr anwenden muss.

FIUMU produziert ausschließlich progressiv (1080p, 2160p) und vermeidet Interlaced-Material, das auf modernen Displays Artefakte erzeugt. In über 400 Projekten seit 2015 hat FIUMU nur dann Interlaced-Deliverables erstellt, wenn Broadcast-Kunden dies für ältere Sendeinfrastruktur verlangten.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Interlacing teilt jedes Videobild in zwei Hälften – gerade und ungerade Zeilen – die abwechselnd dargestellt werden. Das spart Bandbreite, erzeugt aber bei schnellen Bewegungen sichtbare Artefakte. Moderne Videos verwenden stattdessen Progressive Scan.

1080i überträgt das Bild in zwei Halbbildern (interlaced), 1080p überträgt jedes Bild komplett (progressiv). Beide haben 1920 x 1080 Pixel, aber 1080p liefert zu jedem Zeitpunkt die volle Bildinformation und ist bei Bewegung schärfer.

Einige TV-Sender strahlen aus historischen Gründen in 1080i aus. Archivmaterial aus der SD- und fruhen HD-Ära liegt häufig interlaced vor. Für neue Produktionen ist Interlacing nicht mehr relevant.

Deinterlacing wandelt interlaced Material in progressive Frames um. Algorithmen setzen die beiden Halbbilder intelligent zu Vollbildern zusammen. Die Qualität hängt vom Algorithmus und vom Ausgangsmaterial ab.

Immer 1080p. Es gibt keinen praxisrelevanten Grund mehr, interlaced aufzunehmen. Moderne Kameras, Displays und Plattformen arbeiten durchgehend progressiv.

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